Wie unser Gehirn auf Stress antwortet​
Wie unser Gehirn bei Stress funktioniert

Unser Gehirn und unser Körper schützen uns vor Gefahren. Indem unser Gehirn eine Stressreaktion auslöst, mobilisiert es unseren Körper, der sich auf Flucht oder Kampf einstellt, sowie er eine brenzliche Situation wittert.

Dabei können die unterschiedlichsten Situationen und Veränderungen Stress in uns auslösen. Dazu gehören beispielsweise,:

  • die Angst die Kontrolle zu verlieren,
  • die Angst zu versagen und damit auch die Angst, das Ansehen zu verlieren,
  • die Angst vor Überforderung,
  • die Trennung von einem geliebten Menschen,
  • die Sorge, mehr tun zu müssen oder nicht ausgelastet zu sein,
  • die Angst vor der Ungewissheit, dem Unbekannten etc. pp.
 

Die Stressreaktion verläuft immer nach dem gleichen Muster, egal aus welchem Grund wir Stress empfinden – auch wenn der Stressor nur eine „Was wäre wenn,…“-Überlegung ist und wir die Situation nur gedanklich durchspielen. Das Gehirn kann nicht zwischen Realität und Fantasie unterscheiden.

Unser Gehirn besteht aus verschiedenen Bereichen, die zusammenarbeiten wie ein gut eingespieltes Team, um uns auf Flucht oder Kampf vorzubereiten. Während einige Bereiche unsere Emotionen verarbeiten, unsere Vernunft und kognitive Leistungsfähigkeit steuern, analysieren andere Bereiche unseres Gehirns unsere Sinnesreize und leiten die gesammelten Informationen weiter.

 

Unsere Alarmzentrale im Gehirn – Amygdala

Die Amygdala, auch emotionales Gehirn genannt, spielt eine große Rolle bei Stress und Angst. Sie ist ein kleiner Teil des Gehirns und Teil des limbischen Systems. Zusammen mit anderen Hirnregionen kontrolliert sie unsere Reaktionen auf stressige und beängstigende Situationen. Wenn Signale eintreffen, die unsere Aufmerksamkeit erfordern, werden die Nervenzellen in der Amygdala aktiv. Das macht uns wacher und aufmerksamer, noch bevor wir die Gefahr bewusst erkennen. Sobald eine bestimmte Aktivitätsschwelle erreicht ist, löst die Amygdala die Stressreaktion aus und stellt uns somit auf Flucht oder Kampf ein.

 

Zwei Wege der Stressreaktion

Um unseren Körper auf Flucht oder Kampf vorzubereiten, nutzt die Amygdala zwei Wege:

  • den schnellen Weg über das sympathische Nervensystem, der den Körper aktiviert,
  • und den langsameren Weg über den Hypothalamus, der Hormone für die Stressreaktion freisetzt.
 

Die Amygdala beeinflusst auch den Hippocampus, eine Gedächtnisregion im Gehirn, wodurch wir uns stressauslösende Situationen einprägen. Infolgedessen, lernen wir uns vor solchen Stressoren zu schützen und reagieren schneller auf ähnliche Situationen.

 

Auswirkung von chronischem Stress

Chronischer Stress kann die Verbindungen zwischen den Nervenzellen im Hippocampus beschädigen, was sich wiederum negativ auf unser Gedächtnis auswirken kann.

Die Amygdala ist eng mit dem präfrontalen Cortex verbunden, der Teil unseres Gehirns, mit dem wir unser Denken und Handeln steuern und unsere Emotionen regulieren. Der präfrontale Cortex hat eine bedeutende Funktion bei der Einschätzung von stressigen Situationen und der Kontrolle unseres Verhaltens. Bei chronischem Stress kann sich die Funktionalität des präfrontalen Cortex jedoch verändern, sodass unsere Fähigkeit rational Entscheidungen zu treffen, beeinträchtigt wird.

 

(Gestörte) Stressregulation

Nach stressigen Situatioen beruhigen wir uns in der Regel wieder, da wir einen eingebauten Stressregulator haben. Wenn das Stresshormon Kortisol ausreichend in unserem Blut vorhanden ist, erkennen das spezielle Rezeptoren, sogenannte Glucocorticoidrezeptoren. Dadurch wird die Produktion von weiterem Kortisol durch die Nebennierenrinde gestoppt. Unser parasympathisches Nervensystem, das für die Entspannung unseres Körpers sorgt, wird aktiviert, und wir kommen zur Ruhe.

Wenn beispielsweise nicht genügend Rezeptoren vorhanden sind oder nicht ausreichend funktionieren, um festzustellen, dass bereits ausreichend Kortisol im Körper ist, wird unser hormonelles Gleichgewicht gestört. In diesem Fall würde zu viel Kortisol produziert und unser Körper könnte nicht zur Ruhe kommen.

In schwerwiegenden Fällen können solche Störungen zu kognitiven Beeinträchtigungen, Hirnatrophie und Immunstörungen führen. Zudem erhöht sich das Risiko für Depressionen, Diabetes und Stoffwechselstörungen.

 

Umgang mit Stress ist erlernbar

Wichtig ist zu verstehen, dass Stress eine natürliche Reaktion ist, die uns helfen soll, mit herausfordernden Situationen umzugehen. Unser Gehirn und unser Körper sind darauf ausgelegt, uns zu unterstützen und uns zu mobilisieren.

Es gibt verschiedene Strategien, um einen schnelleren Abbau von Stress zu fördern und den unangenehmen Folgen von chronischem Stress vorzubeugen. Dazu zählen regelmäßige körperliche Bewegung, Entspannungstechniken wie Meditation und Achtsamkeit, eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf.

Indem wir uns bewusst mit dem Thema Stress auseinandersetzen und rechtzeitig positive Maßnahmen ergreifen, können wir unsere Resilienz stärken und uns besser auf stressige Situationen und Phasen vorbereiten. Wir haben die Fähigkeit, unsere Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen und unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden zu fördern.

 

Wie nutzt du dieses Wissen?

Du hast nun einen Einblick in die Funktionsweise von Stress und die Auswirkungen auf unseren Körper und unser Gehirn erhalten. Du hast gelernt, dass Stress eine natürliche Reaktion ist und dass wir die Fähigkeit haben, unseren Umgang damit zu verbessern.

Aber wie können wir diese Erkenntnisse in unseren Alltag integrieren? Wie können wir in stressigen Phasen gelassener bleiben und bessere Entscheidungen treffen?

Das passiert nicht über Nacht. Aber wie wäre es, regelmäßig mit Expert:innen und Gleichgesinnten in den Austausch zu gehen, neue Strategien zu entdecken und deine Handlungsfähigkeit zu stärken.

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