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Wie viel Champion steckt in dir? Ein Selbstcheck für KI-Vorreiter

Wie viel Champion steckt bereits in dir?

Über die Fähigkeit, Menschen mit in die Zukunft zu nehmen.

Sophie Gacs
Sophie Gacs
Co-Founder & Leadership Coach · The Agile Habit

Herzlich Willkommen zum Champions.Letter!

Für unsere Praxisstudie führten wir über 100 Gespräche mit Managern und People Leads. Wir wollten verstehen, wie es um KI-Adoption in Deutschland steht und woran sie scheitert.

Ich bringe drei Geschichten mit, die uns dabei begegnet sind.

Tessa ist People & Culture Lead in einem Tech-Unternehmen, 50 Leute. Sie kennt KI. Sie weiß, wie sie damit arbeitet, was möglich ist. Sie hat sich aus eigenem Antrieb in ihrer Freizeit weitergebildet. Ihre größte Herausforderung ist jetzt, das Thema in ihr Unternehmen zu bringen und am Leben zu erhalten.

Denn sie ist die einzige, die das KI-Thema vorantreibt. Sie organisiert Austauschformate, teilt ihre Erfahrungen, gibt Impulse. Eine interne Umfrage zeigt: die Belegschaft ist gespalten. Auf der einen Seite echte Neugier. Auf der anderen Ablehnung – bis hin zu "das ist alles Teufelszeug." In einem Tech-Unternehmen. Hinter solcher Ablehnung stecken zwei sehr verschiedene Arten von Widerstand.

Die Ängste dahinter sind konkret: Jobsicherheit, Kreativitätsverlust, die Sorge, eigenes Denken zu verlernen. Im Remote-Kontext kommt noch dazu: zerstören KI-generierte Texte das Vertrauen?

Ohne Budget, ohne Mandat, ohne Technik-Hintergrund und ohne eine Rolle, die dafür vorgesehen wäre, setzt sie sich selbst den Hut auf.

"Wenn ich es nicht treibe, dann sind halt alle in ihren Teams und machen irgendwas. Aber es gibt nicht diesen gemeinsamen Ansatz."

Falls du dich schon mal gefragt hast, wieso der Astronaut in unseren Visuals immer so deplatziert in seinem Umfeld wirkt – das ist auch seine Geschichte. Er hat im Weltall erfahren, was möglich ist, landet zurück auf der Erde und findet sich in rostigen Prozessen und verklemmten Strukturen wieder.


Die Champions-League

Rolf ist Head of HR bei einem Maschinenbau-Mittelständler, 550 Mitarbeitende. Er versteht die menschliche Seite von KI-Einführungen. Er sieht, was schiefläuft, bevor es schiefläuft. Und er hat gekämpft, HR überhaupt an den Tisch zu bekommen bei dem KI-Projekt, das sein Unternehmen gerade startet.

Sein Vorschlag, die Belegschaft wöchentlich abzuholen – ein kurzer interner Artikel, Kontext geben, Fragen beantworten, Ängste ansprechen – wurde abgelehnt.

"Alles ist bei uns ein Technikprojekt. Wir verstehen nicht, dass Menschen da mitarbeiten."

Was ihn am meisten beschäftigt, sind die Stillen. Ältere Kolleginnen und Kollegen, Leistungsträger, die jahrzehntelang den Jüngeren alles beigebracht haben – die sitzen heute in Meetings weiter hinten. Machen keinen Beitrag mehr. Ziehen sich leise zurück, weil der Jüngere neben ihnen einfach schneller ist. Kein lauter Protest, kein Widerstand. Einfach weniger. Mit einem Druck auf der Brust, den manche selbst nicht in Worte fassen können. Wenn die eigene Relevanz auf dem Spiel steht, wird Status schnell wichtiger als Fortschritt.

Und dann Clara. VP Marketing bei einem großen Vergleichsportal. Sie hat KI-Workflows aufgebaut, die funktionieren. Fertig. Einsatzbereit. Getestet. Nur: die Firmeninfrastruktur ist noch nicht so weit – offene Migrationsprozesse, fehlende Tool-Entscheidungen. Die fertige Lösung liegt auf ihrem privaten Account.

"Ich habe es eigentlich fertig und ich könnte jetzt ab dem Tag sofort die Effizienz heben. Aber ich habe es einfach nicht in der Firmeninfrastruktur."

Sie beobachtet, dass die engagiertesten Leute zunehmend auf eigene Tools ausweichen, weil die internen nicht mehr mithalten. Ihre Hypothese: Schatten-KI nimmt zu.

Da sind Redakteurinnen, die KI längst nutzen – und es niemandem sagen. Vor allem Frauen, beobachtet sie, trauen sich nicht zuzugeben, dass sie damit arbeiten. Als hätten sie geschummelt. Als wäre ein Text, der mit KI entstanden ist, keiner, auf den man stolz sein darf.

Clara hält dagegen mit einem simplen Vergleich: Du sagst ja auch nicht bei jeder Excel-Kalkulation dazu, dass du Excel benutzt hast und deswegen das Ergebnis weniger wert ist.


Das Astronauten-Gefühl

Tessa, Rolf, Clara. Drei verschiedene Unternehmen, drei verschiedene Rollen, drei verschiedene Branchen.

Und doch landen sie alle am selben Punkt: Sie wissen, was möglich ist. Sie haben es zum Teil schon umgesetzt. Sie sehen, wo ihr Umfeld hakt. Und sie stoßen an Strukturen, Entscheidungen und Dynamiken, die sich nicht so schnell bewegen wie sie selbst.

Das ist das Astronauten-Gefühl. Ausgerüstet für einen Kontext, der noch nicht existiert.

Vielleicht hast du bemerkt, dass sich ein roter Faden durch unsere Visuals zieht. Jedes Bild vom Astronauten erzählt dieselbe Geschichte: jemand, der bereit ist für eine Zukunft, die im eigenen Umfeld noch nicht angekommen ist.

Wer unsere Champions.Letter schon länger liest, wird sich erinnern:

Astronaut schwebt mit einem Vintage-Fallschirm ins Kolosseum
Astronaut tippt an einem alten Schreibtisch auf einer rostigen Schreibmaschine
Astronaut steht in der Wüste vor einer riesigen Sanduhr
Astronaut setzt am Schachbrett eine Figur, während die Partie weiterläuft

Der Fallschirmsprung ins Kolosseum: Unser Astronaut stürzt sich direkt in die Auseinandersetzung mit Andy, dem kritischen Entwickler, aber nur ausgerüstet mit einem Vintage-Fallschirm von 1797.

Die Schreibmaschine: Er weiß genau, was er sagen will. Er weiß, wie er es sagen will. Nur die Art, wie er es hier tun soll kostet dreimal so lang und klingt halb so gut. Die Technik wurde mal teuer eingekauft, jetzt soll sie gefälligst auch benutzt werden.

Die Sanduhr in der Wüste: Irgendwann hat jemand entschieden, dass Sand begrenzt ist und nur in eine Richtung fließt – und niemand fragt mehr warum. Obwohl Sand ohne Ende da wäre, wenn man bereit wäre und sich die Zeit nähme, ihn oben nachzufüllen.

Das Schachbrett: Er denkt das Spiel zu Ende. Er sieht, welche Dynamiken entstehen, wenn KI ins Team kommt – wer sich zurückzieht, wer aufblüht, was das mit Führung macht. Aber die Partie läuft weiter, ohne dass jemand fragt, wer eigentlich mitmischt.

Dieser Astronaut ist kein Held. Er ist ein Champion. Hochqualifiziert, future ready, bereit für eine neue Arbeitswelt. Jemand, der vorangeht, andere mitnehmen möchte und Räume schafft, in denen Neues entstehen kann.

Jemand wie Tessa, Rolf und Clara.


Wie viel Champion steckt bereits in dir?

☐ Du hast Ideen, wie KI euren Alltag verbessern könnte, aber kommst damit nicht weiter, weil Strukturen, Entscheidungen oder Prioritäten im Weg stehen.

☐ Du treibst das KI-Thema voran, weil du es für wichtig hältst, auch ohne Auftrag, ohne Budget, neben deinem eigentlichen Job.

☐ In deinem Team gibt es stille Widerstände, die du spürst, aber nicht greifen kannst.

☐ Du weißt, dass Tool-Schulungen allein nicht reichen, aber es fehlt eine konkrete Alternative.

☐ Du organisierst die Transformation weitgehend allein, ohne jemanden, der den gleichen Blickwinkel hat.

Je mehr davon auf dich zutrifft, desto wahrscheinlicher bist du (KI-)Champion in deinem Umfeld.

In unseren Gesprächen sind wir diesem Typus so oft begegnet, dass wir ihm einen Namen gegeben haben: den erschöpften Champion, eines von sechs Reaktionsmustern, wenn KI auf Menschen trifft.

Juliane und ich haben ausgewertet, was wir in all diesen Gesprächen gehört haben. Was sich wiederholt, was überrascht, welche Muster sich zeigen. Was wir über Champions lernen und all jene, die Champions werden wollen.

All das haben wir in einer umfangreichen Praxisstudie KI-Adoption in Deutschland 2026 aufbereitet.

Danke, dass du bis hier gelesen hast. Wir freuen uns immer über eure Gedanken, Meinungen, Fragen und Feedback.

Wir sehen uns im nächsten Artikel,

Sophie von The Agile Habit

P.S. Ich bin wirklich dankbar, dass ich diesen Letter nicht mit einer kratzenden Feder schreiben und vervielfältigen muss.

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