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Warum KI-Projekte an Führungskräften scheitern

Er hat sein Team gerettet. Vor der Zukunft.

Wenn Prestige wichtiger wird als Fortschritt.

Sophie Gacs
Sophie Gacs
Co-Founder & Leadership Coach · The Agile Habit

Herzlich Willkommen zum Champions.Letter!

Ein Unternehmen aus der Möbelbranche. Großes Haus, mehrere tausend Mitarbeitende.

Die KI-Potenzialanalyse zeigt: Millionen Einsparpotenzial. Stumpfe Prozesse, die sich automatisieren lassen: u.a. schlaue Menschen, die stundenlang PDF-Dateien abtippen.

Der Business Case steht. Das Budget ist da. Die Geschäftsführung will.

Und dann passiert: nichts.

Das Projekt scheitert. Nicht an der Technologie. Nicht am Budget. Nicht am Team.

Es scheitert an einem Bereichsleiter.

200+ Leute unter sich – das ist nicht nur sein Job, das ist seine Identität. Nach dem Change hätte er nur noch knapp 20 verantwortet. Lieber fährt er das Projekt gegen die Wand.

Denn für ihn ist das kein Effizienzgewinn. Für ihn ist das ein Karriererückschritt.

Und vielleicht denkst du jetzt: Vielleicht hat er sich einfach für seine Leute eingesetzt.

Das klingt ehrenwert. Aber schützen und festhalten sind zwei verschiedene Dinge.

Wer sich wirklich für sein Team einsetzt, fragt: Was brauchen meine Leute, damit sie in zwei Jahren noch relevant sind? So jemand definiert neue Rollen. Verschiebt Verantwortung. Nimmt Menschen mit in die nächste Phase.

Wer festhält, sorgt dafür, dass sich nichts verändert. Und hofft, dass sich das Problem von allein löst.

Nur: Einsparung kommt so oder so. Die Frage ist nicht ob, sondern wie. Unternehmen, die sich nicht weiterentwickeln, verlieren Marktposition. Und dann werden nicht 180 Stellen umgeschult, sondern 200 komplett gestrichen. Ohne Übergang, ohne neue Rollen, ohne Gespräch.

Festhalten ist kein Schutz. Festhalten ist aufgeschobener Verlust.

Und das Verrückte ist: Er hat vermutlich nicht einmal bewusst sabotiert. Er hat einfach nicht mitgezogen. Hat Bedenken als Fakten dargestellt. Hat Entscheidungen verzögert, die eigentlich klar waren. Hat den Prozess so lange gebremst, bis er zum Stillstand kam.


Das teuerste Ego im Raum

Wie viele KI-Projekte scheitern gerade an genau diesem Muster, ohne dass es jemand ausspricht?

Nicht immer ist es das Ego. Manchmal ist die Technologie wirklich noch nicht so weit. Manchmal stellt sich das Team quer. Und manchmal aus sehr guten Gründen. Aber öfter, als irgendjemand zugibt, spürt jemand, dass diese Veränderung sein Standing verändert. Weniger Leute. Weniger Status. Weniger von dem, was bisher als Erfolg galt.

Juliane hat es neulich auf den Punkt gebracht: "Du hast ja nie im Leben Zeit, 200 Leute wirklich zu führen. Das ist kein Führungsanspruch. Das ist Status."

Und Status ist einer der unsichtbarsten Blocker in KI-Transformationen. Weil niemand sagt: "Ich blockiere das, weil ich danach weniger wichtig bin." Der Satz, der stattdessen fällt, klingt nach Bedenken. Nach Qualität. Nach Timing.

Wir finden immer gute Gründe für das, was wir sowieso glauben wollen, besonders wenn unsere eigene Relevanz auf dem Spiel steht.

Der Bereichsleiter ist kein Einzelfall. Er ist eines von sechs Reaktionsmustern, die uns in 101 Gesprächen immer wieder begegnet sind.


Was kommt nach Headcount?

Ich habe mich in letzter Zeit gefragt: Was wäre, wenn der Status einer Führungskraft nicht mehr daran hängt, wie viele Menschen unter ihr sitzen, sondern daran, welchen Impact sie mit kleinen Teams erzeugt?

Was wäre, wenn es irgendwann prestigeträchtiger ist, ein KI-gestütztes Team zu orchestrieren, das mit 5 Leuten leistet, was vorher 200 brauchten – als 200 Leute zu "führen", die du in Wahrheit gar nicht kennst?

Ich bin überzeugt: die Zukunft gehört den Tiny Teams – kleinen, KI-gestützten Teams, die den Output einer ganzen Abteilung liefern. Bei The Agile Habit erleben wir das selbst: Zu zweit, mit KI-Agenten als feste Teammitglieder und als Betriebssystem, liefern wir, was sich anfühlt wie ein Team von zehn.

Drei Fragen, die sich lohnen:

  1. Wenn ein KI-Projekt dein Team um die Hälfte verkleinern würde – wie fühlt sich das für dich an? Fortschritt oder Karriererückschritt?
  2. Woran misst du deinen Erfolg als Führungskraft – an der Größe deines Teams oder an dem, was dein Team bewirkt?
  3. Und die Frage, die am meisten weh tut: Was verliere ich, wenn KI das kann, wofür man mich bisher gebraucht hat?

Falls du dir jetzt auch schon überlegst, wie du das nächste KI-Projekt noch zuverlässiger bremsen kannst, haben wir deinem Ego ein Handbuch geschrieben. 😉

Wie du das nächste Transformationsvorhaben erfolgreich sabotierst, zeigen wir dir hier.

Wir sehen uns im nächsten Artikel,

Sophie von The Agile Habit

P.S. Wenn du morgen nicht mehr bist – was werden die Leute über dich sagen? "Er hatte 200 Leute unter sich." – wohl kaum. Aber sie werden erzählen, was du mit ihnen und für sie bewegt hast.

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